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160 Jahre Schweizerisches Münzwesen
Ein kurzer historischer Abriss

Das Münzchaos vor 1850
Wir sind uns gewohnt, dass die gesetzlichen Zahlungsmittel (Banknoten und Umlaufmünzen) von jedermann anstandslos an Zahlung genommen werden. Die Vorstellung, dass dies einmal anders war, ist für uns heute nur schwer nachvollziehbar. Und doch herrschte in unserem Lande, vor der Münzreform von 1850, während mehreren hundert Jahren ein heilloses Münzchaos. Zahlreiche Münzherren (Kantone, Städte, Abteien usw.) prägten eine riesige Anzahl verschiedener Münzsorten in unterschiedlichen Währungen und Münzsystemen. Daneben zirkulierten zahlreiche ausländische Gepräge, die aus der Reisläuferei (Söldnerdienste) stammten sowie die ersten von Privatbanken herausgegebenen Banknoten. Der Umgang mit Geld war äusserst mühsam und kompliziert.

Die Geburt des Schweizer Frankens
Um diesem unbefriedigenden Zustand ein Ende zu setzen, wurde in der Bundesverfassung von 1848 das alleinige Recht der Münzprägung dem Bunde übertragen. Gestützt darauf erliess die Bundesversammlung am 7. Mai 1850 das erste eidgenössische Münzgesetz, welches sich eng ans französische Münzsystem anlehnte. Dieses führte in der Schweiz die Silberwährung mit der Münzeinheit "Franken" ein. Da eine eigene leistungsfähige Münzstätte fehlte, wurden die ersten eidgenössischen Münzen in Paris und Strassburg geprägt. Im Jahre 1853 übernahm der Bund, vorerst versuchsweise, die frühere Münzstätte des Standes Bern. Die alte Berner Münze wurde in Eidgenössische Münzstätte umbenannt und 1890 definitiv übernommen.

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Doch auch weiterhin bestimmten ausländische Gepräge den schweizerischen Münzumlauf. Die Münzreform von 1850/52 ersetzte zwar die alten schweizerischen Prägungen, hatte jedoch nicht das Ziel, die gesamte Masse an umlaufendem Geld zu nationalisieren. Etwa 80 % der Geldmenge bestand damals aus fremden Sorten. Von den hochwertigeren Nominalen aus Silber war nur ein sehr kleiner Prozentsatz schweizerischen Ursprungs. Die meisten dieser Prägungen stammten aus Frankreich und Italien. Die Silbermünzen dieser Länder sowie diejenigen von Belgien erhielten deshalb, soweit sie dem neuen schweizerischen System entsprachen, gesetzlichen Kurswert. Gleichzeitig wanderten aber auch die neuen Schweizer Münzen in die betreffenden Länder ab.

Die Lateinische Münzunion
Im Jahre 1865 schlossen Frankreich, Belgien, Italien und die Schweiz einen Münzvertrag ab (sog. Lateinische Münzunion), der detaillierte Vorschriften über Gewicht, Feingehalt, Form und Kurs von Gold- und Silbermünzen enthielt, sowie für die einzelnen Staaten Prägekontingente gemäss Bevölkerungszahl festlegte. Die betreffenden Münzen wurden im gesamten Gebiet der Münzunion zum Nominalwert angenommen. Der Bundesrat stellte 1866 fest: "Der Bundesrat betrachtet die Gleichstellung der Silbermünzen der vier Länder als einen ersten Schritt zur Verwirklichung des Gedankens eines Universalmünzsystems." Der Münzvertrag, dem später auch noch Griechenland beitrat, blieb formell bis 1926 in Kraft. Seither haben in unserem Land ausschliesslich Schweizer Münzen Gültigkeit. Heute wird mit der Einführung des Euro ein neuer Schritt zu einem gemeinsamen europäischen Währungsraum unternommen; diesmal ohne die Schweiz.

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Bau der heutigen Münzstätte
Anfangs des 20. Jahrhunderts genügten die Räumlichkeiten und technischen Einrichtungen der alten Münzstätte nicht mehr, um den ständig wachsenden Münzbedarf und die gestiegenen qualitativen Ansprüche zu befriedigen. Der Bund liess daher auf dem Kirchenfeld die heutige Münzstätte errichten. Sie wurde am 2. Juli 1906 offiziell eröffnet. Die Neurenaissance-Front des vom Bundesarchitekten Theodor Gohl projektierten Industriebaus aus gelbem Sichtbackstein zeigt zuoberst das schweizerische Hoheitszeichen und neben dem Eingang zwei in Marmor gehauene Münzbilder. Die hohen Fenster im Erdgeschoss sind durch künstlerisch gestaltete schmiedeiserne Fenstergitter geschützt. Im Verlaufe der Jahrzehnte wurden immer wieder bauliche oder technische Anpassungen vorgenommen.

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Goldmünzen als Zahlungsmittel
Bis 1936 zirkulierten in der Schweiz auch Goldmünzen. Während dies am Anfang ausschliesslich Geldstücke aus den Mitgliedstaaten der Lateinischen Münzunion waren, gelangten 1883 auch die ersten Schweizer Goldmünzen mit dem Libertaskopf in den Umlauf. Dies nach einer Rüge der Franzosen, welche die Schweiz zu Recht des Münzparasitismus beschuldigte. Da der Metallwert der Goldmünzen etwa ihrem Nennwert entsprach, war ihre Ausgabe mit Kosten verbunden, weshalb unser Land jahrelang auf eine eigene Produktion verzichtete. Die bekannteste Schweizer Goldmünze ist das Vreneli, welches erstmals 1897 zur Ausgabe gelangte. Zuvor verlangte jedoch ein besorgter Magistrat, dass eine vorstehende Locke an der Stirn des Mädchenkopfes (eigentlich eine Helvetiadarstellung) entfernt werden müsse, da diese dem Frauenzimmer ein frivoles Aussehen verleihe.

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Mit der Abwertung des Schweizer Frankens während der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1936 lag der Metallwert der Goldmünzen, die jetzt nur noch aus einheimischen Geprägen bestanden, plötzlich über ihrem Nennwert, womit sie praktisch über Nacht ihre Funktion als Zahlungsmittel verloren. In den fünfziger Jahren wurden noch einmal Goldmünzen für die Zirkulation geprägt. Diese gelangten aber aus währungspolitischen Gründen und infolge eines Ansteigens des Goldpreises bis heute nicht zur Ausgabe und bilden einen Teil der Goldreserven der Nationalbank. In den vergangenen Jahren wurde der grössere Teil dieser Münzen in Barren umgegossen.

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Vom Silber zum Kupfernickel
Das Ende einer alten Tradition bedeutete die Aufgabe der Silberprägung im Jahre 1967. Als Folge eines stark steigenden Silberpreises lag der Materialwert der 2-, 1- und ½-Fr.-Münzen über dem jeweiligen Nennwert. Dies führte dazu, dass grosse Mengen von Münzen ins Ausland transferiert und dort zur Metallverwertung eingeschmolzen wurden. Um diesem Missbrauch zu begegnen, beschloss der Bundesrat die Ausfuhr von Silbermünzen zu verbieten und die 5-, 2-, 1- und ½-Franken-Stücke ab Jahrgang 1968 nicht mehr in Silber, sondern aus einer Kupfer-Nickel-Legierung zu prägen. Damit waren alle ausgeprägten Sorten des schweizerischen Münzsystems von ihrem Metallwert abgekoppelt.

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Die Eidgenössische Münzstätte Swissmint
Rückläufige Prägemengen bedingt durch den vermehrten bargeldlosen Zahlungsverkehr sowie der Einsatz modernster Produktionsmittel, vor allem in den Bereichen "Prägen" und "Verpacken", führten im Jahre 1986 zu einer personellen und räumlichen Redimensionierung der Münzstätte. Der Personalbestand wurde von 30 Personen auf 17 Personen reduziert und das Obergeschoss des Gebäudes für andere Bedürfnisse der Bundesverwaltung freigemacht. In den Jahren 1990 bis 1993 erfolgte eine Renovation der Räumlichkeiten der Münzstätte und die Modernisierung des Maschinenparks. Seither wurde die Einrichtung kontinuierlich verbessert. Im Jahre 1998 erhielt die Eidg. Münzstätte eine neue Organisationsform und wurde in Swissmint umgetauft. Sie ist nun eine selbständige Einheit innerhalb der Eidg. Finanzverwaltung, was ihr erlaubt, ihre Dienstleistungen wirksamer und kundenorientierter zu erbringen. Ziel der Neuorganisation ist eine bessere Vermarktung der numismatischen Produkte (Münzsätze, Gedenkmünzen usw.) und eine exaktere Kostenrechnung. Der englische Name Swissmint, der übersetzt nichts anderes bedeutet als Schweizer Münzstätte, hilft ihr dabei, sich auf dem internationalen Münzenmarkt zu etablieren. Heute beschäftigt die Swissmint 18 Personen.

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Zukunftsaussichten
Während mehr als 2'500 Jahren waren Münzen neben dem Tauschhandel das wichtigste Zahlungsmittel. Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie aber mehr und mehr durch Banknoten verdrängt. Heute stehen nicht nur die Münzen, sondern auch die Banknoten in Konkurrenz mit dem zunehmenden bargeldlosen Zahlungsverkehr. Dazu gehören neben Bank- oder Postüberweisungen auch Zahlungen mit sogenanntem Plastikgeld wie Postcard, Eurocard, Kredit- oder Zahlkarten. Dem Münzverkehr wird immer weniger Bedeutung beigemessen und technologiegläubige Kreise prophezeien seit Jahren das Ende des Bargeldes. Trotzdem ist das Hartgeld aus dem Zahlungsverkehr nicht wegzudenken. Die grossen Verarbeitungsgebühren und die kompliziertere Handhabung machen die Bezahlung von Bagatellbeträgen mit Kreditkarte, Cash-Karte oder Scheck sowohl für den Verbraucher als für den Handel unwirtschaftlich und aufwändig. Ausserdem sind die meisten Verbraucher in ihren Zahlungsgewohnheiten sehr konservativ. Als unkompliziertes, billiges und von allen anerkanntes Zahlungsmittel, wird das Münzgeld wohl auch in Zukunft seinen Platz behaupten.

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Fachkontakt: info@swissmint.ch
Zuletzt aktualisiert am: 17.01.2011