Giornata della politica estera parlamentare: Dialogo, fiducia, sicurezza – una responsabilità comune (fr,de)
Berna, 28.10.2026 — Discorso del consigliere federale Ignazio Cassis, capo del Dipartimento federale degli affari esteri (DFAE) e presidente in carica dell’OSCE, in occasione della Giornata della politica estera parlamentare 2026. Fa fede la versione orale.
Madame la Présidente, chère Sibel,
Monsieur le Président, cher Carlo,
Mesdames et Messieurs les Parlementaires,
J’ai souvent pris la parole devant vous comme conseiller fédéral. Aujourd’hui, je porte une autre casquette : celle de président en exercice de l’OSCE. Et croyez-moi, ce n’est pas forcément plus simple !
Car présider une organisation qui réunit l’Ukraine, la Russie, les États-Unis et 54 autres États, dans les circonstances actuelles, soulève une question fondamentale :
À quoi sert encore le dialogue lorsque les désaccords semblent insurmontables ?
C’est de cette question que je voudrais vous parler aujourd’hui.
Mesdames et Messieurs,
La sécurité européenne traverse sa crise la plus grave depuis la fin de la guerre froide.
La guerre menée par la Russie contre l’Ukraine s’approche de son cinquième hiver. Les tensions géopolitiques s’intensifient. Nos démocraties subissent des cyberattaques, de la désinformation et des tentatives d’ingérence.
Face à ces menaces, les États renforcent leurs capacités de défense. C’est nécessaire.
Mais la sécurité ne dépend pas uniquement de notre capacité à nous défendre. Elle dépend aussi de notre capacité à éviter que les confrontations ne deviennent incontrôlables.
Et pour cela, il faut pouvoir communiquer. Même avec ses adversaires.
L’histoire européenne nous l’enseigne : les périodes les plus dangereuses ne sont pas nécessairement celles où les désaccords sont les plus profonds.
Ce sont celles où les États cessent de se parler.
C’est précisément la raison d’être de l’OSCE.
Née pendant la guerre froide, elle n’a pas été conçue comme un cercle d’amis. Elle a été créée pour permettre à des adversaires de se parler.
Aujourd’hui encore, l’OSCE offre à ses 57 États participants, représentant près de 1,5 milliard de personnes, un espace de dialogue politique unique, de Vancouver à Vladivostok.
Dialoguer ne signifie ni approuver, ni renoncer à ses principes.
La Suisse condamne fermement l’agression militaire russe contre l’Ukraine. Elle défend le droit international, la souveraineté et l’intégrité territoriale des États.
Mais elle sait aussi qu’aucune sécurité européenne durable ne pourra être construite sans dialogue.
C’est cette conviction qui guide notre présidence.
Mesdames et Messieurs,
La crise que traverse l’OSCE n’est pas isolée.
Elle reflète une crise plus large du multilatéralisme.
Partout, les rapports de force prennent le pas sur les règles communes. La confiance s’érode. Les institutions internationales sont contestées, parfois paralysées.
Face à cette situation, deux tentations existent : défendre les organisations internationales telles qu’elles sont, ou considérer qu’elles sont devenues inutiles.
Je ne partage ni l’une ni l’autre.
Le multilatéralisme ne se défend pas par des discours. Il se défend par des résultats.
Nous n’avons pas besoin de multiplier les institutions. Nous avons besoin d’institutions capables de remplir leur mission.
Cela exige des priorités claires, des moyens adaptés et le courage de réformer.
Car préserver le multilatéralisme ne signifie pas préserver le statu quo.
C’est aussi le sens de notre présidence de l’OSCE: non pas faire davantage, mais faire mieux.
Meine Damen und Herren,
Geschätzte Mitglieder der Bundesversammlung,
Als die Schweiz Anfang Jahr den OSZE-Vorsitz übernahm, wussten wir: Die tiefen Gräben in Europa lassen sich nicht in einem einzigen Jahr überwinden.
Deshalb haben wir uns drei Prioritäten gesetzt: die Handlungsfähigkeit der OSZE sichern, sie auf einen möglichen Friedensprozess in der Ukraine vorbereiten und ihre Instrumente an die heutigen Herausforderungen anpassen.
Dazu drei konkrete Beispiele.
Erstens: Der Konsens.
Im März ist es uns gelungen, nach fünf Jahren Blockade das OSZE-Budget für 2026 zu verabschieden. Möglich wurde dies durch Reformen und eine Budgetreduktion um 15 Prozent – eine Voraussetzung für den Konsens.
Ein Budget mag nach Verwaltung klingen. Doch in einer Organisation, in der jeder Staat Entscheidungen blockieren kann, ist das ein politischer Erfolg.
Er zeigt: Selbst tief zerstrittene Staaten können noch gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Konsens darf nicht zum Recht auf Stillstand werden. Konsens bedeutet gemeinsame Verantwortung.
In diesem Geist arbeiten wir daran, die OSZE wirksamer, glaubwürdiger und handlungsfähiger zu machen.
Zweitens: Der Frieden in der Ukraine.
Im Februar bin ich gemeinsam mit dem OSZE-Generalsekretär nach Kyjiw und Moskau gereist.
Wir sind nicht mit der Illusion hingefahren, der Frieden stehe unmittelbar bevor.
Wir wollten aufzeigen, welchen konkreten Beitrag die OSZE zur Deeskalation und zu einem künftigen Friedensprozess leisten könnte.
Niemand weiss, wann sich eine solche Gelegenheit bieten wird.
Aber Diplomatie darf nicht erst beginnen, wenn die Waffen schweigen. Sie muss dazu beitragen, dass sie eines Tages schweigen.
Deshalb bereiten wir heute die Instrumente vor, die morgen gebraucht werden könnten.
Drittens: Die Arbeit vor Ort.
Die OSZE ist weit mehr als ein Verhandlungstisch in Wien.
Ihre Feldmissionen helfen, Spannungen abzubauen, demokratische Institutionen zu stärken und Krisen vorzubeugen.
Ich habe dieses Jahr mehrere dieser Missionen besucht – unter anderem in Bosnien und Herzegowina, in Moldau, Transnistrien und in Turkmenistan. Gerade komme ich aus Georgien zurück. Anfang November werde ich in den Westbalkan reisen, wo die OSZE ihre grössten Feldmissionen unterhält.
Diese Besuche haben mich in einer Überzeugung bestärkt:
Sicherheit entsteht nicht nur am Verhandlungstisch.
Sie wächst auch durch die tägliche Arbeit vor Ort.
Geschätzte Parlamentarierinnen und Parlamentarier,
Sie wissen besser als alle anderen: Demokratie lebt von der Debatte, vom Wettbewerb der Ideen und von der Suche nach Kompromissen.
Das gilt in der Schweiz. Und es gilt auch auf internationaler Ebene.
Die parlamentarische Dimension der OSZE ist dabei besonders wertvoll. Sie ermöglicht politische Kontakte, verteidigt demokratische Grundsätze und baut Brücken zwischen Gesellschaften.
Ein konkretes Beispiel sind die Wahlbeobachtungsmissionen.
In einer Zeit, in der Desinformation, Cyberbedrohungen und ausländische Einflussnahme das Vertrauen in demokratische Institutionen untergraben, ist die Glaubwürdigkeit von Wahlen zu einer zentralen Sicherheitsfrage geworden.
Hier können die OSZE und der Europarat ihre Stärken bündeln.
Im vergangenen Mai haben wir in Chișinău den Dialog mit dem Europarat und seinem Generalsekretär Alain Berset fortgesetzt, der später ebenfalls zu Ihnen sprechen wird.
Unser Ziel ist klar:
die jeweiligen Kompetenzen besser nutzen, Synergien stärken
und Doppelspurigkeiten vermeiden.
Einige von Ihnen leisten dazu einen direkten Beitrag, etwa bei Wahlbeobachtungsmissionen.
Denn die Sicherheit unserer Demokratien hängt nicht nur von ihrer Verteidigungsfähigkeit ab, sondern auch vom Vertrauen in ihre Institutionen.
Meine Damen und Herren,
In gut einem Monat wird die Schweiz in Lugano den OSZE-Ministerrat ausrichten.
Die Aussenministerinnen und Aussenminister der 57 Teilnehmerstaaten sind eingeladen, sich zu treffen – trotz der tiefen Gegensätze, die sie trennen.
Ich verspreche Ihnen nicht, dass wir diese Gegensätze in Lugano überwinden werden.
Aber es ist entscheidend, diesen Raum für Begegnung, politischen Austausch und – wo möglich – gemeinsame Entscheidungen offenzuhalten.
Wir dürfen fehlenden Konsens in den grossen Fragen nicht mit völliger Handlungsunfähigkeit verwechseln.
Die Schweizer Präsidentschaft will zeigen, dass der Multilateralismus auch unter schwierigsten Bedingungen konkrete Ergebnisse erzielen kann.
Denn eines ist klar:
Wenn Diplomatie unmöglich erscheint, wird sie unverzichtbar.
Grazie per la vostra attenzione!