Öffentliche Beratungen der UBI: Corona und Gaza beschäftigen weiter
Bern, 22.05.2026 — Die UBI hiess eine Beschwerde gegen die Radiosendung «Treffpunkt» gut, in der eine SRF-Wissenschaftsjournalistin zur Covid-Impfung in der Schweiz inverviewt wurde. Auch eine RTS-Radiosendung, welche über die Masern- und Covid-Impfung informierte, verletzte das Sachgerechtigkeitsgebot. Zudem verstiess eine SRF-Fernsehsendung kurz vor der Abstimmung über die Erbschaftssteuerinitiative gegen das Vielfaltsgebot. Die kritischen Rückblicke von Radio SRF mit dem ehemaligen Impf-Chef Christoph Berger sowie vier Beiträge über den Nahost-Krieg waren hingegen rechtskonform.
Im Dezember 2025 strahlte Radio SRF den «Treffpunkt» mit dem Titel «Vor 5 Jahren: erste Corona-Impfung in der Schweiz» aus. Ein Popularbeschwerdeführer rügte das Gespräch mit der SRF-Wissenschaftsjournalistin als nicht sachgerecht, da es ohne jegliche kritische Einordnung ein einseitig positives Gesamtbild von mRNA-Impfstoffen vermittle. Die UBI teilte diese Ansicht und hiess die Beschwerde gut (7:2 Stimmen). Der Umstand, dass eine als Fach- und Wissenschaftsredaktorin interviewte Journalistin fünf Jahre nach der Zulassung der neuartigen mRNA-Spritzen in einer fast einstündigen Sendung nicht über die bestehende Kritik von medizinischer Seite, die Nebenwirkungen und die noch immer offenen Forschungsfragen spricht, verletzte das Sachgerechtigkeitsgebot. Das Argument, dass das SRF-Publikum über genügend Vorwissen verfüge, lehnte die UBI ab und verwies auf den UBI-Entscheid b. 1014 i.S. «RKI-Protokolle» (b. 1078).
Ebenfalls gutgeheissen hat die UBI eine Popularbeschwerde gegen die Sendung «Bleisch & Bossart» (Titel: «Ist erben fair?»), die SRF am 8. November 2025 und damit drei Wochen vor der Abstimmung über die Erbschaftssteuerinitiative ausstrahlte. Die Philosophin und der Philosoph positionierten sich darin einseitig für die Erbschaftssteuer. Zwar handelte es sich bei der (Zweit-)Ausstrahlung um die Wiederholung einer bereits 2021 produzierten Sendung. Da diese aber in die sensible Phase vor der eidgenössischen Volksabstimmung am 30. November 2025 fiel, erachtete die UBI das Vielfaltsgebot als verletzt (7:2 Stimmen). Immerhin hatte die Redaktion diesen Fehler schon vor der Ombudsstelle eingeräumt, das Versäumnis erklärt (Füllen einer kurzfristigen Programmlücke) und sich schriftlich auf der SRF-Website entschuldigt. Deshalb verzichtete die UBI einstimmig auf die Durchführung des Massnahmeverfahrens nach Art. 89 RTVG (b. 1077).
Auch gegen die Radio-Sendung «Tagesgespräch» vom 18. Dezember 2024 (Titel: «Ich wollte verstanden werden») und einen Online-Artikel vom 28. Dezember 2024 (Titel: «Was würden Sie als Impfchef heute anders machen, Herr Berger?») gingen zwei Popularbeschwerden ein. Gerügt wurde, dass die Publikationen – Interviews mit Christoph Berger, dem ehemaligen Chef der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) – die erheblichen Risiken von Covid-Infektionen und Long/Post-Covid verharmlosen und Ausführungen zur Effektivität von Covid-Impfungen fehlen würden. Die UBI kritisierte zwar die Feststellung, wonach sowohl die Infektion als auch die Impfung für Kinder harmlos sei, erachtete die Publikationen ansonsten aber als sachgerecht, auch aufgrund von kritischen Nachfragen der gut vorbereiteten Moderatorin. Die Abweisungen erfolgten einstimmig (b.1038).
Une plainte populaire a été déposée contre quatre publications de la RTS en octobre 2025 concernant la situation à Gaza. Elle critiquait, en particulier, l’utilisation (« guerre » , « terroriste ») la non-utilisation (« génocide ») de certains mots. Cela aurait biaisé la réalité. L’AIEP a relevé qu’il n’appartenait pas aux médias de l’utilisation de certains mots avant qu’un tribunal ne se soit prononcé à ce sujet. De plus, la RTS était en droit de s’appuyer sur la terminologie officielle du Conseil fédéral (voir aussi b.979). Le principe de la présentation fidèle des événements n’a pas été violé. L’AIEP a rejetée la plainte à l’unanimité (b.1076).
Le 24 avril 2025, la Radio Télévision Suisse La Première, dans le cadre de l’émission radiophonique « Forum », a rapporté l’information, du même jour, tirée du communiqué de presse de l’OMS conjointement avec l’UNICEF et la GAVI, sur la hausse préoccupante des flambées de maladies évitables par la vaccination. Un expert à la plateforme INFOVAC a été invité à s’exprimer. Dans une plainte populaire déposée par un citoyen, il est allégué que les journalistes chargés de couvrir l’événement n’ont pas rempli leur devoir de recherche de la vérité, ont présenté la situation de manière déformée et ont diffusé des informations erronées. La majorité des membres a souligné que les chiffres avancés par l’expert concernant les décès dus à la rougeole auraient dû éveiller les soupçons des journalistes. Même sous la pression d’un reportage en direct, qui avait pourtant pu être préparé en mettant l’accent sur la vaccination contre la rougeole, les journalistes aurait dû au moins demander à l’expert interrogé la source des chiffres, s’ils ne les avaient pas eux-mêmes au préalable vérifiés sur les sites officiels de l’OFSP, de l’OFS ou d’INFOVAC. De plus, l’affirmation d’un des journalistes concernant les effets négatifs du vaccin contre le Covid-19 était erronée et n’a pas été corrigée par l’expert non plus. La phrase « Finalement, les effets négatifs du vaccin ne sont pas là » est fausse. Des effets négatifs du vaccin contre le Covid-19 avaient eu lieu et certains persistaient encore. Compte tenu des erreurs sur des points essentiels ainsi que sur d’autres imprécisions, une majorité des membres a estimé que le devoir de diligence journalistique avait été violé. Le public n’at pas pu se forger sa propre opinion (5 voix contre 4 ; b.1079).
Die UBI ist eine ausserparlamentarische Kommission des Bundes, die von der Rechtsanwältin und Kommunikationsberaterin Mascha Santschi Kallay präsidiert wird. Sie besteht aus neun nebenamtlich tätigen Mitgliedern und einem vierköpfigen Sekretariat. Die UBI hat auf Beschwerde hin festzustellen, ob ausgestrahlte Radio- und Fernsehsendungen schweizerischer Programmveranstalter oder Publikationen aus dem übrigen publizistischen Angebot der SRG (z.B. Online-Inhalte) Bestimmungen des Radio- und Fernsehrechts verletzt haben oder ob eine rechtswidrige Verweigerung des Zugangs zum Programm bzw. zu einer Publikation vorliegt. Entscheide der UBI können nach Vorliegen der schriftlichen Entscheidbegründung beim Bundesgericht angefochten werden.
Hinweis: Die Medienmitteilung dient zur Information der Öffentlichkeit und der Medien über die an den öffentlichen Beratungen ergangenen Beschlüsse. Die verwendeten Formulierungen entsprechen nicht zwingend dem Wortlaut der noch zu redigierenden Begründungen. Massgebend für die Rechtsprechung sind einzig die schriftlichen Entscheidbegründungen, welche die UBI zu gegebener Zeit auf ihrer Website publizieren wird.