Bodengestützte Luftverteidigung grösserer Reichweite: Bundesrat legt Eckwerte für die weiteren Arbeiten fest
Bern, 28.10.2026 — Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 28. Oktober 2026 das weitere Vorgehen für ein zusätzliches System bodengestützter Luftverteidigung grösserer Reichweite festgelegt. Er hat das VBS beauftragt, die Abklärungen zu den Systemen Barak MX (Israel) und SAMP/T NG (Frankreich) weiterzuführen. Dabei sind neben den militärischen, rüstungs- und sicherheitspolitischen sowie technischen Aspekten auch aussen- und wirtschaftspolitische Aspekte zu berücksichtigen. An der Beschaffung des Patriot-Systems wird aufgrund der sicherheitspolitischen Lage festgehalten.
Für den Bundesrat ist klar, dass die Schweiz aufgrund der verschlechterten geopolitischen Lage ihre Luftverteidigung stärken muss. Dazu benötigt es auch Systeme bodengestützter Luftverteidigung grösserer Reichweite und genügend dazugehörige Munition. Im Verbund mit Systemen kleinerer und mittlerer Reichweite sowie Kampfflugzeugen können diese der Bedrohung von Angriffen aus der Distanz begegnen – auch gegen ballistische Lenkwaffen. Dabei ist wichtig, dass die Schweiz neben Patriot rasch ein zusätzliches System beschaffen kann, das den Anforderungen gerecht wird, die zu schützende Fläche vergrössert und die Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter bzw. einer einzelnen Lieferkette reduziert.
Nach Prüfung der eingereichten Offerten der vier Herstellerfirmen aus Frankreich, Israel und Südkorea hat der Bundesrat entlang technischer, militärischer, rüstungs- und sicherheitspolitischer Aspekte entschieden, die Auswahl auf die zwei Systeme Barak MX (Israel) und SAMP/T NG (Frankreich) einzugrenzen. Er hat zudem das VBS beauftragt, in Zusammenarbeit mit EDA, EJPD, WBF und EFD bei den weiteren Arbeiten auch aussen- und wirtschaftspolitische Aspekte zu berücksichtigen.
An Patriot-Beschaffung wird festgehalten
Die USA haben die Auslieferungen der Patriot-Systeme zugunsten von Staaten priorisiert, welche die Ukraine mit ihren eigenen Systemen unterstützt hatten.
Für den Bundesrat ist jedoch ein Abbruch der Beschaffung von Patriot ohne alternatives System aufgrund der Sicherheitslage weiterhin keine Option. Wie am 24. Juni 2026 vom Bundesrat beauftragt, wird das VBS das Projekt mit möglichst geringer Verzögerung und möglichst tiefen Mehrkosten vorantreiben. Die Gespräche mit den USA zur Auslieferung der Patriot-Systeme werden entsprechend weitergeführt.
Einfluss der Beschlüsse zur Armeefinanzierung
Das Parlament berät voraussichtlich in der Wintersession 2026 die Botschaft zur Armeefinanzierung, mit welcher der Bundesrat die Sicherheit und Verteidigung der Schweiz mittels zusätzlichen 24 Milliarden Franken zugunsten der Armee stärken will. Darin enthalten sind auch sechs Milliarden Franken für ein zusätzliches System der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite sowie mindestens einen Teil der Mehrkosten bei Patriot.
Der Entscheid des Parlaments zur Armeefinanzierung hat entsprechend Einfluss auf das weitere Vorgehen bei der bodengestützten Luftverteidigung grösserer Reichweite und wird für die abschliessende Beurteilung berücksichtigt.
Weiteres Vorgehen
Sobald die weiteren Abklärungen sowie der Entscheid des Parlaments zur Armeefinanzierung vorliegen, wird der Bundesrat über das weitere Vorgehen bzw. über eine Botschaft für ein zusätzliches System bodengestützter Luftverteidigung grösserer Reichweite sowie über einen allfälligen Zusatzkredit für Patriot befinden – voraussichtlich Anfang 2027.